Am vergangenen Dienstag kamen vierzig Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 a und 9 b der Oberacherner Antoniusschule mit ihren Klassenlehrern Anton Armbruster und Helmar Gehring in den Genuss dieses Angebots, das sich zu dieser Zeit trefflich mit einem Besuch des Straßburger Weihnachtsmarkts verbinden ließ. Mit von der Partie waren die Präsidentin der Europa-Union, Dr. Inge Bräutigam, samt Geschäftführer Wolfgang Meder sowie Rektorin Anne Waldherr. Als Gesprächspartnerin stand den Besuchern in diesem Jahr die Europaparlamentarierin Heide Rühle von der Fraktion der Grünen und der Regionalisten Rede und Antwort.
Aktuelle Begleiterscheinungen der Europa-Politik konnten die Jugendlichen mit ihren Begleitpersonen bereits an der Einfahrt auf das Gelände des Parlamentgebäudes wahrnehmen, wo ein Häuflein Demonstranten seinen Unwillen gegen den Beitritt der Türkei zur Europäischen Gemeinschaft kundtat. Im Gebäude selber wurde die Besuchergruppe vom Referenten der Grünen-Abgeordneten, Tilo Berner empfangen, der sie auf die Besuchertribüne des Plenarsaals führte. Von dort konnten die Besucher eine Plenarsitzung des Europa-Parlaments, das derzeit 732 Abgeordnete umfasst, mitverfolgen.
Mit einem festlichen Akt wurde die Sitzung eröffnet, bei dem in Anerkennung der Verdienste im Kampf für Grundrechte wie Meinungsfreiheit und die Menschenrechte in Weißrussland eine Vertreterin des weißrussischen Journalistenverbandes den Sacharow-Preis verliehen bekam. Eine ganze Reihe von Abstimmungen, die dank intensiver Vorarbeit in den entsprechenden Ausschüssen recht zügig verliefen, stand sodann auf der Tagesordnung.
In einem kleineren Saal erläuterte Tilo Berner die Strukturen des Europa-Parlaments, das im Grunde drei Sitze aufzuweisen hat : in Straßburg, wo die Plenarsitzungen stattfinden, in Brüssel, wo sich die .Abgeordneten zwei Wochen pro Monat zur Vorbereitung der Plenarsitzungen in Fachausschüssen aufhalten, sowie in Luxemburg, wo ein Teil der Parlamentsverwaltung angesiedelt ist. Heide Rühle, seit 1999 und „das zweite Mal“, wie sie äußerte, Abgeordnete des Europa-Parlaments und als stellvertretende Fraktionsvorsitzende auf dem Gebiet des Verbraucherschutzes und des Binnenmarkts sowie im Haushaltsausschuss tätig, stand sodann den gut vorbereiteten Hauptschülerinnen und- schülern geduldig für Fragen zur Verfügung. Auf ihre Haltung zum Beitrittswunsch der Türkei zur Europäischen Gemeinschaft angefragt, hielt die Parlamentarierin etwa fünfzehn Jahre Laufzeit zur endgültigen Integration der Türkei für realistisch.
Was Heide Rühle bei ihrer Arbeit Spaß macht, ist ihren Ausführungen zufolge „die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg“. Auf Arbeitszeit und Gehalt angesprochen, ist für Heide Rühle, die als eine von dreizehn Abgeordneten einer kleinen Partei im Europa-Parlament für die Bundesländer Baden-Württemberg und Hessen zuständig ist, bei einem Gehalt, das etwa in der Höhe von Bundestagsabgeordneten liegt, an einen Acht-Stunden-Tag nicht zu denken.
Im Bereich der Agrarsubventionen, die „nur die Mengenproduktion fördern“, geht es Heide Rühle um die Marschroute „weg von den Garantiepreisen hin zur Direktzahlung an die Bauern“. Bei der Frage nach dem Zustandekommen von Beschlüssen sieht die Europaparlamentarierin innerhalb der Meinungsbildung auf europäischer -Ebene den Föderalismus in Deutschland als „bremsendes Element der Europapolitik“. „Die Zeiten sind stressig“ bekennt Heide Rühle schließlich, die sich dadurch jedoch in der Beantwortung der Fragen seitens der interessierten Jugendlichen nicht hetzen lässt. „Ich will nicht nur im Glasturm Politik machen, sondern sie auch vor Ort vermitteln“ betont die „Politikerin zum Anfassen“.
Der Bericht wurde verfasst von Klaus Huber, der die Gruppe begleitete.






