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18. 02. 11
 
Umwelttechnologien als Chance für den Maschinen- und Anlagenbau in Baden-Württemberg
Studie des IMU-Instituts lotet Potential aus
photocase_klein_jinglet.jpg>> Die Studie "Greentech im Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württembergs" [PDF]

Umsatz, Arbeitsplätze, Innovation: Der Maschinen- und Anlagenbau ist eine Schlüsselindustrie für Baden-Württemberg. Im Auftrag von Heide Rühle und der GRÜNEN Europafraktion hat das IMU Institut die Potentiale grüner Technologien für den Maschinen- und Anlagenbau in Baden-Württemberg untersucht. Spezielle Berücksichtigung finden in der Untersuchung von der Europäischen Union vorgegebene Rahmenbedingungen, wie EU-Regulierung oder EU-Förderprogramme.


Umwelttechnologie - ein Zukunftsmarkt mit hohen Wachstumsraten

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Umwelttechnologien mit prognostizierten Wachstumsraten von über 7% pro Jahr große Chancen für den Maschinen- und Anlagenbau bieten. Die baden-württembergischen Maschinen- und Anlagenbauer sind in weiten Teilen stark von der Automobilindustrie abhängig. Zu sehr von einer Branche abhängig zu sein macht verwundbar - das hat die Krise gezeigt.

Abhängigkeit von der Automobilindustrie verringern

Mit Umwelttechnologien bietet sich den Maschinen- und Anlagenbauern die Möglichkeit, ihre Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu verringern, sich breiter aufzustellen und damit langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Allein in Baden-Württemberg kann bis 2020 ein Zuwachs der jährlichen Greentech-Wertschöpfung in Höhe von 30 bis 45 Mrd. Euro bis 2020 erreicht werden.

Gleichzeitig handelt es sich um eine Schlüsselbranche für die ökologische Modernisierung unserer Wirtschaft: Durch Innovationen kann Sie zur einer Entkoppelung von Wirtschaftsleistung und Umweltinanspruchnahme beitragen. Alleine mit energieeffizienten Maschinen und Anlagen könnten bis 2020 mehr als 10 % der CO2-Emissionen Deutschlands eingespart werden.

Gesetzliche Vorgaben sind Innovationstreiber

Ambitionierte Umweltauflagen sind kein Hemmschuh, sondern Innovationstreiber für unsere heimische Wirtschaft, so die Studie des IMU-Institutes. Die Ökodesignrichtlinie der EU sorgt zum Beispiel dafür, dass besonders energieeffiziente Geräte künftig zum Standard erhoben werden. So werden Stromfresser vom Markt verbannt. In Baden-Württemberg könnte Maschinen- und Anlagenbauer gerade im Bereich der Effizienztechnologie davon profitieren.

Ein weiteres Beispiel ist die Automobilindustrie: Durch strengere Auflagen für Neuwagen wird im Automobilbereich ein Innovationsschub ausgelöst, von dem die baden-württembergischen Autozulieferer profitieren. Wenn dazu noch ambitionierte EU-Umweltnormen von anderen Wirtschaftsregionen übernommen werden, entstehen für die Technologieführer daraus „Frühstarter"-Vorteile im weltweiten Wettbewerb.

Baden-Württemberg verpasst Chancen

Die Politik von Schwarz-Gelb sorgt dafür, dass der Maschinen- und Anlagenbau in Baden-Württemberg große Chancen verpasst. Zu diesem Ergebnis kommt die vorliegende Studie. Beispiel Windkraft: der Bau von Windkraftanlagen ist ein wichtiger Wachstumsmarkt für die heimischen Maschinen- und Anlagenbauer. Doch in keinem Bundesland werden weniger Windkraftanlagen genehmigt wie in Baden-Württemberg - 2010 waren es gerade einmal acht Windanlagen. Schuld daran sind restriktive Vorgaben der schwarz-gelben Landesregierung. Heimische Windkrafthersteller und -Zulieferer können bisweilen noch nicht einmal auf Versuchs- und Präsentationsanlagen im Land ihres Unternehmenssitzes verweisen.

Eine weitere für Baden-Württemberg wichtige Branche ist die Photovoltaikindustrie. Der Weltmarktanteil deutschen Hersteller von Photovoltaik-Produktionsmitteln liegt bei deutlich über 50 %. Für die Anlagenhersteller und die Zulieferer von Komponenten für die Photovoltakindustrie ist laut der Studie des IMU-Institutes eine verlässliche und langfristig orientierte Rahmensetzung der Politik entscheidend. Der Boom dieser Branche wird nicht zuletzt auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und der garantierten Einspeisevergütung zurückgeführt, während die schwarz-gelbe Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sehr kritisch bewertet wird. Sollte Deutschland international nicht mehr als Leitmarkt in Solartechnologie wahrgenommen werden, eine Entwicklung die nicht zuletzt durch weiter reduzierte Solarförderung eintreten kann, so wirkt sich dies auf das gesamte Innovationssystem Photovoltaik in Deutschland negativ aus.

Eu-Fördermittel: Baden-Württemberg setzt falsche Prioritäten

Bei den EU-Fördermitteln setzt Baden-Württemberg falsche Prioritäten: Obwohl von der Europäische Kommission empfohlen fließt in Baden Württemberg bisher kaum Fördergeld in die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Dabei würde eine klare Prioritätensetzung große Möglichkeiten für eine Förderung von Greentech-Zukunftsfeldern und im Speziellen von Umwelttechnologie im Maschinen- und Anlagenbau eröffnen. Baden-Württemberg hat bei der Genehmigung und bei der Gestaltung von Förderprogrammen keinen Wert darauf gelegt. Deshalb mahnt die Studie eine stärkere Fokussierung von Fördermaßnahmen auf Zukunftstechnologien wie „Umwelttechnologie und Ressourceneffizienz" und „Nachhaltige Mobilität" an und fordert eine transparentere Verwendung der Fördermittel.

Die Automobilindustrie am Wendepunkt

Eine bedeutende Abnehmerbranche für den Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württembergs - die Automobilindustrie - steht ebenfalls vor einem technologischen Wendepunkt. Durch die zunehmende Elektrifizierung des Antriebsstrangs werden Wertschöpfungsanteile neu verteilt. Die entscheidende Frage wird sein, ob der technologische Vorsprung beim Verbrennungsmotor in ergänzter oder in neuer Form bei der Elektromobilität gehalten werden kann und ob Baden-Württemberg den Systemwechsel zur Elektromobilität als Technologiestandort und als Produktionsstandort schafft. Bisher ist leider keine ausreichende Strategie zur Sicherung der entsprechenden Wertschöpfungsanteile zu erkennen.

Den Wandel anpacken

Hauptstärken der regionalen Hersteller sind nicht-preisliche Wettbewerbsfaktoren, wie die hohe Qualität der Produkte, eine große Problemlösungskompetenz oder ein hervorragender After-Sales-Service. Die Stärken von Baden-Württemberg liegen nicht zuletzt in hervorragend qualifizierten und motivierten Beschäftigten. „Eine ökologische Modernisierung der Industriegesellschaft ist nur mit der gesellschaftlichen Akzeptanz, insbesondere der Akzeptanz der Beschäftigten in den betroffenen Branchen und Belegschaften nachhaltig gestaltbar", so ein Fazit der Studie. Durch eine kooperative Erarbeitung von Zukunftskonzepten gemeinsam mit der Belegschaft kann dieses Wissen für diesen Wandel fruchtbar gemacht werden. Es gilt, aus „Green Jobs" auch „Good Jobs" zu machen.

 

Links:

>> Zusammenfassung der Studie "Greentech im Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württembergs"

>> Die Studie "Greentech im Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württembergs"

 

 

(Foto: JingleT/photocase.com)