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EURO 2008: Besondere Bedeutung von Nationalmannschaften
Von Stefan Brost, DFB-Büro Brüssel
fan_photocase_klein_dommy.jpgAllen Harmonisierungsbestrebungen der Europäischen Union zum Trotz: Bei der diesjährigen Europameisterschaft wurde die nationale Identität gefeiert, nicht die europäische. Obwohl seit dem Bosman-Urteil aus dem Jahre 1995 die nationale Organisation des europäischen Sports einem zunehmenden Integrationsdruck ausgesetzt ist, zeigt die Begeisterung der Anhänger, dass gerade vom Wettkampf nationaler Mannschaften eine besondere sportliche und gesellschaftliche Faszination ausgeht.

Sport als Identifikationsinstrument. Die Europäische Kommission würde diese Funktion gerne ausnutzen, um eine „europäische Identität" über den Sport zu schaffen. Als Beispiel wird von den zuständigen Beamten gerne der Ryder-Cup im Golf genannt. Daran könne man erkennen, dass der Sport die Europäer zusammen führe. Dass das Ziel der Ausbildung einer europäischen Identität über den Sport - zumindest für die kommenden Jahrzehnte - jedoch eine Wunschvorstellung bleiben muss, haben die Bilder von der EURO 2008 eindrucksvoll bewiesen.

Das Turnier zwischen den europäischen Nationen ist weiterhin höchst attraktiv. Und Folklore ist ausdrücklich erwünscht: Geschminkte Fans in den Farben ihrer Heimatländer, geschmückt mit Nationalfahnen und einheitlich gekleidet im Trikot ihrer Nationalmannschaft prägen das Bild. Die Identitätsbildung verläuft offensichtlich im kulturellen Rahmen von Nationen und hat sich bisher nicht „europäisiert". Die Fußballeuropameisterschaft als friedlicher und sportlicher Wettkampf der Nationen. Gefeiert und zelebriert wird dabei der Unterschied, nicht die Gleichheit.

Auch das Europäische Parlament hat diesen Zusammenhang erkannt. In seinem „Bericht zum Weißbuch Sport" vom 8. Mai 2008 haben sich die Abgeordneten nachdrücklich dafür ausgesprochen, dass Nationalteams nicht nur auf der Ebene der nationalen Identifikation eine wichtige Rolle spielen, sondern auch bezüglich der Solidarisierung auf der Ebene des Breitensports eine große Strahlkraft besitzen. Nach Ansicht des Europaparlaments verdienen die Nationalmannschaften daher besondere Unterstützung.

Für den DFB und die anderen nationalen Fußballverbände bedeutet dies, dass die Förderung des Nachwuchses für die Nationalmannschaft oberste Priorität haben muss. Ob die Talentförderung durch eine nationale Spielerquote („6+5"-Regel der FIFA) oder eine verbesserte Ausbildung einheimischer Talente („home-grown players"-Regel der UEFA) am besten gewährleistet werden kann, wird die künftige sportpolitische Diskussion zeigen.

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger bekennt sich zu den mit der „6+5"-Regel verfolgten Zielen: „Gesellschaftspolitisch wäre es gut, wenn es zu der Regelung käme. Sport ist nicht nur Kommerz, sondern hat auch mit Solidarität zu tun". Wichtigste Aufgabe aus Sicht des Fußballs bleibt daher auch in Zukunft die Sicherstellung der bedeutenden Rolle der Nationalmannschaften.


 

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