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Neues aus dem Fußballblätterwald
Von Klaus Federmair
fu__ball_bl__tterwald.jpgSubvenionierter medialer Overkill

Mit mehr als zwei Millionen Euro subventionierte der Bundespressedienst des österreichischen Bundeskanzleramts Printmedien 2007 und 2008 für Medienkooperationen und redaktionelle Beiträge zur Europameisterschaft. Der Löwenanteil der Förderungen, über 600.000 €, ging an die mit Abstand auflagenstärkste Tageszeitung des Landes, die Kronen Zeitung. Die Details dazu sind in Form der Antwort auf eine >> schriftliche Anfrage des grünen Abgeordneten zum Nationalrat Dieter Brosz nachzulesen.

Daraus geht hervor, dass die Subventionen immerhin an keine redaktionellen Auflagen gebunden seien. Dennoch bleiben Fragen offen: Würden die Zeitungen ohne Subvention etwa nicht über die EM berichten? Sollten Medienkooperationen nicht einen Minderbedarf an Finanzmitteln bewirken, sodass erst gar kein Förderbedarf entsteht? Wie wirkt sich die Zusatzförderung der größten Printmedien auf die im internationalen Vergleich sehr hohe Medienkonzentration und die Meinungsvielfalt in der Alpenrepublik aus?

Meinungsvielfalt

Zur Meinungsvielfalt in der Fußballberichterstattung wollten die Begründer des unabhängigen österreichischen Magazins „ballesterer", von denen ich einer bin, von Anfang an beitragen. Und das durchaus aus eigennützigen Motiven. Wir hatten es einfach satt, über unsere Lieblingsbeschäftigung immer wieder die gleichen Interviews mit kaum unterscheidbaren Stars und die gleichen Lobeshymnen auf wenig später wieder verschwindende Großinvestoren zu lesen. Also begannen wir, ein vereinsungebundenes Fanzine zu produzieren, im Copyshop ein paar hundertfach zu vervielfältigen und eigenhändig im Stadion und im Freundeskreis zu verkaufen. Mittlerweile ist das Projekt zu einem Magazin gereift und in Tausenden österreichischen und deutschen Kiosken zu erwerben.

Über die Vorzüge des „ballesterer" mögen sich die Leserinnen und Leser dieser Kolumne ihr eigenes Bild machen. Ich möchte an dieser Stelle lieber auf die europäische Dimension der alternativen Fußballmagazine hinweisen, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten langsam herausgebildet hat.

Englische Fanzinepioniere

Begonnen hat alles im Mutterland des Fußballs. Aus der in England damals tief verwurzelten Fanzine-Kultur ging 1986 ein Magazin mit dem Namen "When Saturday Comes" hervor, das sich von traditionellen Fanzines dadurch unterschied, dass es nicht speziell für die Fans eines bestimmten Klubs geschrieben war, sondern für alle, die sich die ganze Woche auf ein Spiel gleich welches Vereins freuten. Bis heute zeichnet sich „WSC", das selbsternannte „half decent football magazine" durch intensive Beschäftigung mit Fankultur, beißende Kritik am Establishment und eine deftige Portion britischer Humor aus.

Praktisch alle alternativen Fußballmagazine - für diesen Überblick wurde eine willkürliche Auswahl getroffen - gehen mehr oder weniger explizit auf die Vorbildwirkung von „WSC" zurück. Gemeinsam ist ihnen auch eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen der Fankultur.

Französischer Spagat

In französischen Kiosken hat man die Wahl zwischen dem trashig aufgemachten „Les cahiers du football" und dem schicken „So Foot". Ersteres frönt einem oft surrealistischen Humor und bezeichnet sich als „magazine de foot et d'eau fraîche", bezieht aber auch mit einem ernst gemeinten „Manifest zur Rettung des Fußballs" auf seiner Homepage Stellung. „So foot" irritiert mit einer merkwürdigen Mischung aus umfangreichen Hintergrundberichten aus aller Welt und einem halbernstem Hang zum Boulevard. Unlängst beschäftigte sich „So Foot" detailverliebt mit den verrücktesten Fahrzeugen, die sich französische Profikicker leisten, kurz zuvor hatte das Magazin ein 13-seitiges Dossier über den mexikanischen Fußball vorgelegt, das auch politische und wirtschaftliche Zusammenhänge eingehend analysiert.

Deutsche Reportagen, Schweizer Geschichten

Im deutschen Sprachraum erschien im Jahr 2000, zeitgleich mit dem „ballesterer", erstmals das „Magazin für Fußball-Kultur" „11 Freunde", das sich unter anderem mit langen Reportagen hervortut. Seit 2007 erzählt „Zwölf" „Fußballgeschichten aus der Schweiz". Das Magazin aus dem EM-Veranstalterland erreichte schon bei seiner siebenten Auflage kurz vor der Europameisterschaft ein erstaunliches Niveau.

Was für „Zwölf" gilt, kennzeichnet die Szene insgesamt. Da die Zeitschriften in der Regel autonom entstehen und nicht nach dem Raster eines großen Verlagshauses aufgezogen werden, ergibt sich eine über Jahre anhaltende Dynamik. Die Kernthemen - Fankultur, Kommerzialisierung, gesellschaftliche Hintergründe, Rassismus - bleiben die gleichen, zugleich entwickelt sich die Berichterstattung ständig weiter.

Netztipps:

>> www.wsc.co.uk

>> www.ballesterer.at

>> www.zwoelf-magazin.ch

>> www.11freunde.de

>> www.cahiersdufootball.net

>> www.sofoot.com

 

 

 


 

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