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19. 06. 08
 
Kampagne Euro 08 gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution
Frauen- und Menschenhandel ist ein gesamteuropäisches Problem
photocase_noisedeluxe_klein_180.jpgIm März 2008 wurde in der Schweiz im Hinblick auf die Europameisterschaft die Kampagne "Euro 08 gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution" gestartet. Initiatoren sind mehr als 25 Frauen- und Männerorganisationen, Menschenrechtsorganisationen, Beratungsstellen, Gewerkschaften.

Hintergrund der Kampagne

Wie auch schon vor der WM 2006 in Deutschland wird befürchtet, dass durch (meist alleinreisende) männliche Zuschauer die Nachfrage nach bezahltem Sex steigen wird. Infolgedessen könnte sich auch das Problem des Frauenhandels und der Zwangsprostitution verschärfen, da Schleuser und Zuhälter sich ein gutes Geschäft versprechen und verstärkt Frauen illegal nach Österreich und in die Schweiz bringen.

Problem Menschenhandel

Menschenhandel ist ein globales Problem, von dem zum Großteil Frauen und Kinder betroffen sind. Der Handel blüht: 2,45 Millionen Menschen, so die vorsichtige Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO), sind zu jedem beliebigen Zeitpunkt Opfer von Zwangsarbeit infolge von Menschenhandel. Dabei macht sexuelle Ausbeutung mit 43% vor wirtschaftlicher Ausbeutung (25%) den größten Anteil aus. Insbesondere in den westlichen Industrieländern ist die Zwangsprostitution weit verbreitet, während im Nahen Osten Ausbeutung zu wirtschaftlichen Zwecken einen höheren Stellenwert einnimmt.

Die Gründe für Menschen-/Frauenhandel sind sowohl in den Herkunfts- als auch den Zielländern zu suchen. In den Herkunftsländern sorgen einerseits schlechte wirtschaftliche Bedingungen und mangelnde Perspektiven dafür, dass die Frauen in den Westen wollen. Auch die erzwungene Ausreise durch Verschleppung kommt vor. Häufig wird den Frauen vorgegaukelt, sie könnten im Westen einer legalen, gut bezahlten Beschäftigung in einem "normalen" Beruf nachgehen.

Ohne die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften wäre Menschenhandel uninteressant, somit trägt natürlich auch das Verhalten in den Zielländern zu dem Problem bei.

Ziel der Kampagne

Frauen- und Menschenhandel ist ein gesamteuropäisches Problem und betrifft somit im Prinzip alle an der EM beteiligten Länder, sei es als Transit- oder Zielland, seltener als Herkunftsland.

Viele Menschen aus aller Welt verfolgen das sportliche Geschehen während der Europameisterschaft, deshalb erhofft sich die Kampagne eine große Bühne, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Gezielt sollen auch mögliche Kunden von Zwangsprostituierten angesprochen und sensibilisiert werden.

Darüber hinaus wirbt die Kampagne um Unterstützung für einen besseren Schutz der Opfer, wie dieser in einer aktuellen Petition gefordert wird. Derzeit haben Frauen, die als Zwangsprostituierte missbraucht werden, kaum eine Chance, gegen ihre Zuhälter aktiv zu werden, wenn sie nicht in ihr Heimatland abgeschoben werden wollen. Sobald sie sich den Behörden zu erkennen geben, werden sie ausgewiesen. Deshalb fordert die Kampagne eine gesetzliche Regelung ähnlich der in Italien. Dort erhalten Zwangsprostituierte, die gegen die Zuhälter und Hintermänner aussagen, ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht.

Europäisches Parlament

Im Vorfeld der WM 2006 in Deutschland initiierte der Frauenausschuss im Europäischen Parlament die sogenannte "Rote Karte für Zwangsprostitution"-Kampagne. Der erwartete Anstieg an Zwangsprostitution und Frauenhandel rund um die WM blieb glücklicherweise aus, das Thema geriet wieder in Vergessenheit. Kurz vor der EM hat sich nun der Frauenausschuss mit einer mündlichen Frage an die Kommission gewandt und diese aufgefordert, darauf zu achten, dass entsprechende europäische Entscheidungen auch tatsächlich von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden, wie zum Beispiel der EU-Plan über bewährte Vorgehensweisen, Normen und Verfahren zur Bekämpfung und Verhütung des Menschenhandels. Auf Nachfrage gibt die Kommission an, dass durch den Aktionsplan zwar einige Ergebnisse erreicht wurden, insbesondere die Strafverfolgung der Täter und die Unterstützung der Opfer allerdings noch nicht zufriedenstellend seien.


>> Homepage der Kampagne