Impressum Kontakt  
 
Bargeldlose Zahlungen sollen einfacher werden
Startschuss für einheitlichen Europäischen Zahlungsraum SEPA

thotti_ueberweisungsformular_klein.jpgAm 28. Januar fiel der Startschuss für den Euro-Zahlungsraum SEPA (Single Euro Payments Area). Mit SEPA sollen europäische Bankgeschäfte genauso einfach werden, wie Bankgeschäfte im Inland.

Was ist SEPA?

Obwohl es möglich ist, in den 15 Euro-Ländern problemlos mit dem Euro in bar zu zahlen, gibt es noch keinen gemeinsamen bargeldlosen Zahlungsverkehr. Mit der Unterzeichnung der Richtlinie über Zahlungsdienste im Binnenmarkt durch Parlament und Rat im November letzten Jahres wurde ein einheitlicher Rechtsrahmen für den gemeinsamen bargeldlosen Zahlungsverkehr geschaffen. Bisher verfügte jedes Land über eigene technische Standards. Auch die Systeme der Kontonummern waren sehr unterschiedlich.

Um die Barrieren im europäischen Zahlungsverkehr aufzuheben, haben die Banken im SEPA-Projekt gemeinsame Standards entwickelt, die in den nächsten Jahren eingeführt werden sollen. Dazu gehören die SEPA-Lastschrift, SEPA-Kartenzahlung und SEPA-Überweisung. Zum SEPA-Raum zählen neben allen 27 Ländern der Europäischen Union auch Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein.

Welche Vorteile hat SEPA?

Überweisungen auf Konten in andere Europäische Länder sollen mit der SEPA-Überweisung nicht länger als drei, ab 2012 nur noch einen Werktag dauern. Für die SEPA-Überweisung benötigt man die internationale Kontonummer seines Kontos (IBAN) und den internationalen Bankcode (BIC). Mit der SEPA-Kartenzahlung soll man mit seiner Bankkarte an allen Bankautomaten in allen Europäischen Ländern Geld abheben können. So neu ist das allerdings nicht: Bereits jetzt kann man an 85% aller Bankautomaten in Europa mit einer deutschen Bankkarte Bargeld erhalten. Mit SEPA soll man ab Ende 2009 auch die Möglichkeit haben, im SEPA-Raum grenzüberschreitend per Lastschrift zu zahlen. Für Unternehmer birgt das Vorteile, mussten doch grenzüberschreitend tätige Unternehmen in fast allen Ländern, in denen sie tätig waren, ein Konto unterhalten. Künftig soll ein Konto bei der Hausbank genügen, um alle Bankgeschäfte europaweit abwickeln zu können.

SEPA Lastschrift in der Kritik

Doch für Verbraucherinnen und Verbraucher birgt die SEPA-Lastschrift im Vergleich zum unbürokratischen deutschen Lastschriftverfahren Nachteile. Beim deutschen Lastschriftverfahren kann ein Kontoinhaber bis zu sechs Wochen nach der Überweisung Lastschriften ohne die Angabe von Gründen rückbuchen lassen. Das hilft besonders bei unklaren Abbuchungen, Ärger mit dem Anbieter oder voreilig erteilten Einzugserlaubnissen. Eine SEPA-Lastschrift kann man jedoch nur unter Angabe von Gründen rückbuchen lassen, was einen höheren Aufwand bedeutet. Kunden müssen bei einer SEPA-Lastschrift vor der Abbuchung benachrichtigt werden. Das birgt für den Verbraucher jedoch keine wirklichen Vorteile, meint zumindest der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Ein weiteres Problem ist, dass die deutsche Lastschrift und die EU-Lastschrift zwar beide Lastschrift heißen, aber einen unterschiedlichen Rechtsrahmen haben. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen schreibt: „Es ist schwer vorauszusagen, wie Gerichte bei Problemen mit der neuen Lastschrift entscheiden werden, vermutlich aber anders als bisher."

Datenschutzprobleme: Druck des Parlaments zeigt Wirkung

Das Europäische Parlament hatte gefordert, dass Daten über den innereuropäischen Zahlungsverkehr nicht von der internationalen Gesellschaft für weltweite Finanztransaktionen SWIFT auf amerikanischem Boden gespeichert werden. Amerikanische Behörden verlangen auf der Basis einer einstweiligen Verfügung, dass die SWIFT Daten über Kontobewegungen an sie weiterleitet. Es war eine datenschutzrechtliche Kernforderung, Banküberweisungsdaten, die den innereuropäischen Zahlungsverkehr betreffen, nur in Europa zu speichern. Dank des beharrlichen Einsatzes der europäischen Datenschutzaufsichtsbehörden und des Europäischen Parlaments hat die SWIFT eine positive Entscheidung zur Weiterentwicklung seiner IT-Infrastruktur im Sinne eines verbesserten Datenschutzes getroffen. Zugriffe von Drittstaaten auf Daten über den innereuropäischen Zahlungsverkehr wird es dann nicht mehr geben.

Was ändert sich für Deutsche Bankkunden?

Frühestens ab 2010 sollen bei allen Überweisungen die internationale Kontonummer IBAN und der internationale Bankcode (BIC) eingetragen werden. Das System von Kontonummer und Bankleitzahl wird dann nicht mehr zur Verfügung stehen. In den nächsten Jahren können jedoch auch noch Kontonummer und Bankleitzahl verwendet werden.

Voraussichtlich gegen Ende 2009 startet das einheitliche Europäische Lastschriftverfahren. Dann kann man beispielsweise das Abonnement einer französischen Zeitung auch per Lastschrift bezahlen.
Verbraucherschützer raten, bei den neuen Zahlen- und Buchstabencodes gut aufzupassen. Bei der SEPA-Überweisung hat nämlich nicht mehr der Name des Empfängers Priorität, sondern die Nummer. Falsche Angaben, etwa durch Zahlendreher gehen damit zu Lasten des Verbrauchers. Achten Sie also darauf, dass Sie die Zahlen-Buchstabenkombinationen korrekt an Ihre Geschäftspartner weiter geben. Für Überweisungen auf ein fremdes Konto sollten Sie sich IBAN und BIC schriftlich geben lassen, um Irrtümer zu vermeiden.

Weitere Informationen:

>> Dokument: Richtlinie über Zahlunsdienste im Binnenmarkt

>> Informationen der Bundesbank zum Start von SEPA

>> Stellungnahme des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen

 

 

 

 

(Foto: photocase.de/ thotti)