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Die schönste Nebensache der Welt muss mehr sein als Big Business
Entschließung des EU-Parlaments zur Zukunft des Profifußballs
Dennoch weise der Profifußball mit seinen Millioneneinnahmen und der wachsenden Kommerzialisierung auch Merkmale einer Wirtschaftstätigkeit auf, die unter die Regeln des europäischen Binnenmarkts fielen. Aus Sicht von Rühle hat das EU-Parlament gute Vorschläge vorgelegt, wie diesem „Spannungsfeld zwischen der Sonderstellung des Sports und EU-Recht sinnvoll begegnet werden kann“.

Mehr Transparenz und Kontrolle

So wäre laut Rühle ein einheitliches Klublizenzierungsverfahren mit integriertem Kostenkontrollsystem ein Schritt in die richtige Richtung. „Denn viele Vereine bewegen sich wirtschaftlich auf dünnem Eis, Schuldenberge und Insolvenzen sind keine Seltenheit mehr.“ Außerdem komme es in einem Umfeld finanzieller Instabilität allzu oft auch zu kriminellen Handlungen wie Spielmanipulation, illegalen Wetten, Korruption und Geldwäsche. „Mehr Transparenz und Kontrolle sind deshalb unbedingt notwendig. Gerade deshalb ist bedauerlich, dass wir Grünen uns mit der Forderung nach einer unabhängigen Sportagentur nicht durchsetzen konnten“, erklärte Rühle.

Richtig sei auch die Forderung des EU-Parlaments an die Vereine, mehr Wert auf die Ausbildung junger Spieler zu legen. Als sinnvoll erachtet Rühle daher die Auflage, dass im Kader der Profiklubs eine Mindestanzahl an „Eigengewächsen“ stehen müsse. „Begleitend brauchen wir bessere Maßnahmen gegen Kinderhandel im Fußball. Es kann nicht sein, dass Vereine immer jüngere Spieler unter Vertrag nehmen“, sagte Rühle. Deswegen sollten Transfers von Jugendlichen unter 16 Jahren verboten werden. Ebenso sollten sich die Klubs intensiver um die schulische und berufliche Ausbildung ihrer jungen Spieler kümmern.

Konsequenter Kampf gegen Rassismus im Fußball

„Auch der Kampf gegen Rassismus in und außerhalb der Stadien muss verstärkt werden“, forderte Rühle. Deshalb unterstützt die grüne Abgeordnete die Forderung des EU-Parlaments an die UEFA und die nationalen Verbände, mit klaren Vorschriften gegen jede Form der Diskriminierung konsequent vorzugehen.

Abschließend betonte Heide Rühle: „Europa darf den Sport nicht allein aus der Perspektive von Marktwirtschaft und Wettbewerb betrachten, seine gesellschaftliche Bedeutung muss immer mitgedacht werden. Und keinesfalls sollte die Politik in sportspezifische Fragen eingreifen: Die Spielregeln oder die Struktur von Wettbewerben sind ohne jede Frage allein Sache der Sportverbände.“ Dennoch sei spätestens seit dem Bosman-Urteil klar, dass der europäische Fußball mehr Rechtssicherheit brauche. Deshalb sollten laut Rühle die EU-Institutionen und die Sportverbände in einen konstruktiven Dialog eintreten. „Denn die Zukunft der schönsten Nebensache der Welt darf nicht den Richtern des Europäischen Gerichtshofes überlassen werden.“

>> Ein ausführlicher Standpunkt zur Zukunft des Profifußballs in Europa

>> Doku: Unser Webdossier „Fußball und Europa“