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07. 06. 06
 
Abpfiff für Rassismus
Die unheilvolle Verbindung zwischen Rassismus und Fußball ist zwar nicht neu – aber trotzdem aktueller denn je: Aus der vergangenen Saison sind besonders die rechtsextremen Ausfälle von Paolo di Canio im Gedächtnis geblieben: Der Kapitän des italienischen Erstligaklubs Lazio Rom begrüßte seine Fans wiederholt mit dem ausgestreckten rechten Arm und stellte seine 'Führer-Tätowierung' ('Dux') einem Millionenpublikum zur Schau. Die einschlägig bekannten 'Lazio-Ultras' quittierten das mit dem Schwenken von Hakenkreuzflaggen und starteten eine Solidaritäts-Kollekte für den Wiederholungstäter di Canio als der italienische Fußballverband eine Geldstrafe von 10.000 Euro gegen ihn verhängte.

Leider handelt es sich dabei um keinen Einzelfall: In Polen und den Niederlanden kam es in der vergangenen Saison zu schweren Ausschreitungen, in Spanien wurde Barcelonas Stürmerstar Eto'o mit Affenlauten beleidigt und in Deutschland sah sich der für den FC Sachsen Leipzig stürmende Nigerianer Adebowale Ogungburesah fremdenfeindlichen Anfeindungen ausgesetzt, die in tätlichen Angriffen auf dem Spielfeld gipfelten.

Wie kann Rassismus im Fußball entgegengetreten werden?

Das Europäische Parlament kann zwar weder verbindliche Regeln für den Fußball erlassen, noch Sanktionen für beteiligte Spieler und Vereine aussprechen. Dies liegt im Verantwortungsbereich der FIFA beziehungsweise der UEFA. Allerdings kann es dafür eintreten, dass das Diskriminierungsverbot (Art. 13 EGV) und das Verbot der Diskriminierung am Arbeitsplatz, wie es durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs festgelegt wurde, auch im Fußball gilt. Schließlich ist das Fußballfeld der Arbeitsplatz der Fußballspieler.

Und das hat das Europaparlament im März 2006 mit einer Resolution getan. Darin fordert die europäische Volksvertretung, dass im Falle schwerwiegender rassistischer Ausschreitungen Schiedsrichter die Möglichkeit haben, Fußballspiele zu unterbrechen oder abzubrechen. Außerdem sollte der Europäische Fußballverband UEFA die Verhängung sportlicher Sanktionen gegen nationale Fußballverbände und Vereine prüfen, deren Fans oder Spieler sich rassistische Vergehen zu Schulden kommen lassen. Derartige Sanktionen sollen bis zum Ausschluss der Wiederholungstäter von Wettbewerben gehen und auf allen Ebenen, also vom Amateur- bis zum Profifußball gelten.

FIFA und UEFA beschließen harte Sanktionen

Der Internationale Fußball-Verband (FIFA) hat auf die Resolution bereits reagiert und eine Änderung von Art. 55 des FIFA-Disziplinarreglements beschlossen. Demnach drohen bei rassistischen oder diskriminierenden Vorfällen nun Strafen, die je nach Schwere des Falls von Spielsperren über Punkteabzug (drei Punkte für ein erstes Vergehen, sechs Punkte für ein zweites und Relegation für weitere Vergehen) bis hin zum Wettbewerbsausschluss eines Teams reichen. Die Konföderationen und Mitgliedsverbände sind dazu verpflichtet, diese Bestimmungen in ihre Regelwerke aufzunehmen. Bei Missachtung kann der betreffende Verband für zwei Jahre vom internationalen Spielbetrieb ausgeschlossen werden. Und auch die UEFA wurde aktiv: Sie versucht die Unparteiischen zu stärken. Schiedsrichter können nach der neuen Regelung das Spiel bei rassistischen Ausfällen unterbrechen und die Vereine mit dem Ausschluß des Publikums sanktionieren.

Ohne Frage setzen die beiden wichtigsten Fußballverbände mit diesem Maßnahmenkatalog im Vorfeld der Weltmeisterschaft ein richtiges Signal – allerdings muss sich erst noch zeigen, ob die Maßnahmen auch konsequent umgesetzt werden. Denn gerade von Seiten der 'Fußballoffiziellen' wurde dem Rassismus nicht immer mit der nötigen Entschlossenheit begegnet. So wirft der englische Nationalspieler Rio Ferdinand, ein ständiger Mahner im Kampf gegen den Rassismus, der UEFA mangelnden Einsatz vor. Die europäischen Fußball-Funktionäre würden das Thema immer noch nicht ernst genug nehmen und wollten vor allem nicht einsehen, wie verbreitet es ist: "Es ist Zeit für die UEFA, mit den Lippenbekenntnissen aufzuhören und harte Strafen auszusprechen."

Popularität des Fußballs zur Bekämpfung von Rassismus nutzen

In einem Hearing unter dem Titel "Tackling Racism in European Football" gingen die Europaabgeordneten sogar noch einen Schritt weiter: In der Abschlußerklärung wurde festgestellt, dass gerade die Faszination des Fußballs eine Möglichkeit zur wirksamen Bekämpfung von Rassismus bietet. Und zwar nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern in der gesamten Gesellschaft. "Die immense Popularität des Fußballs ermöglicht es uns, Millionen von Menschen zu erreichen. Wir müssen darauf hoffen, dass sich Toleranz und Verständnis so immer weiter verbreiten. Indem wir die Herzen und den Verstand auf den Rängen und auf dem Platz erreichen, schaffen wir einen entscheidenden Durchbruch im großen Kampf gegen den Rassismus in der Gesellschaft." Deshalb werden alle führenden Persönlichkeiten im Bereich des Fußballs aufgefordert, sich regelmäßig gegen Rassismus auszusprechen. Gerade aufgrund der Vorbildfunktion von Spielern und Trainern könnten solche symbolischen Aktionen eine Menge bewirken.

Kommission unterstützt antirassistisches Fußballnetzwerk

Die Europäische Kommission unterstützt im Rahmen des „Community Action Programme against Discrimination“ das antirassistische Fußballnetzwerk 'Football Against Racism in Europe' (FARE). Mehr als 40 verschiedene Organisationen, unter anderem antirassistische Sportprojekte, Fanclubs, Fußballverbände und ethnische Minderheiten aus verschiedenen europäischen Ländern haben sich zusammengeschlossen. um alle Arten von Rassismus und Diskriminierung im Fußball zu bekämpfen. FARE hat in Zusammenarbeit mit der UEFA einen Zehn-Punkte-Plan erstellt, durch den Rassismus im Fußball wirkungsvoll bekämpft werden kann. Er beinhaltet beispielsweise öffentliche Durchsagen, in denen rassistische Parolen bei den Spielen verurteilt werden, die Verpflichtung für Dauerkarteninhaber, sich nicht an rassistischen Schmähungen zu beteiligen oder das Entfernen von sämtlichen rassistische Graffitis im Stadion.


Weitere Infos zu Fußball und Rassismus

 

>> Schriftliche Erklärung des Europa-Parlaments zur Bekämpfung von Rassimsus im Fußball

>> FARE - Football against Racism in Europe

>> Zehn-Punkte-Plan von UEFA und FARE

>> Solidaritätsaktion "Wir sind Ade"

>> UEFA-Antirassismusprogramme