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06. 06. 06
 
Fair play – nicht nur beim Fußball, sondern auch beim Handel
Die Fußbälle auf deutschen Bolzplätzen stammen in aller Regel aus Pakistan. Schätzungsweise 80 Prozent der Weltproduktion – das sind jährlich rund 40 Millionen Bälle – werden in der Region Sialkot im Nordosten des Landes hergestellt. Und das zumeist unter unwürdigen Arbeitsbedingungen: Die Arbeiter, darunter ein Großteil Frauen, nähen die Bälle für äußerst karge Löhne (häufig unter einem Euro pro Tag) und in überlangen Arbeitszeiten. Es gibt allzu oft weder eine Gesundheitsvorsorge noch einen vernünftigen Unfallschutz am Arbeitsplatz, Gewerkschaften und Zusammenschlüsse der Arbeiter sind verboten. Kaum besser sieht es bei der Produktion anderer Sportartikel wie Schuhe oder Shirts aus. Auch diese lassen die großen Sportartikelhersteller meistens in sogenannten Sweatshops in Entwicklungsländern herstellen. Zwar zeigten sich in den letzten Jahren gewisse Fortschritte vor allem im Bezug auf ausbeuterische Kinderarbeit, aber dennoch sind noch viele Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen dringend notwendig.

Faire Bälle sind eine runde Sache

Es gibt aber auch eine Alternative zu den herkömmlichen Fußbällen: fair produzierte und gehandelte Bälle. Und hier ist ein positiver Trend erkennbar: Ebenso wie andere Produkte aus dem Fairen Handel werden Faire Bälle immer mehr gekauft. 1998 kam in Deutschland der erste fair gehandelte Ball auf den Markt, heute kann man zwischen zahlreichen Varianten wählen.

Was aber unterscheidet einen fairen von einem handelsüblichen Fußball? Vor allem, die Bedingungen, unter denen die Bälle produziert werden: Die Näherinnen und Näher erhalten eine faire Entlohnung, illegale Kinderarbeit ist verboten. Gewisse Sozialstandards etwa bei der Gesundheitsversorgung müssen eingehalten und unabhängige Vertretungen der Arbeiter zugelassen werden. Außerdem werden zusätzliche Sozialprojekte wie Schulen, Fortbildungen und medizinische Versorgung rund um die Produktionsstätten finanziert. Die Arbeitsbedingungen werden von der unabhängigen Fair-Trade-Organisation FLO überwacht.

Fair Trade im Europäischen Parlament

Aber auch abseits des Fußballs gewinnt der Faire Handel an Bedeutung: Er hat in den letzten Jahren in der Europäischen Union Wachstumsraten von 20 Prozent und höher zu verzeichnen und tritt damit zunehmend aus seinem Nischendasein heraus.

Um diese positive Entwicklung zu unterstützen, nimmt sich auch das Europäische Parlament des Themas an. Auf Initiative des grünen Abgeordneten Frithjof Schmidt verabschiedete der Entwicklungsausschuss Ende Mai einstimmig einen von ihm verfassten Bericht „über fairen Handel und Entwicklung“. Ziel des Textes: Der Faire Handel und andere Initiativen des ethischen und nachhaltigen Handels sollen unterstützt werden. Denn Fair Trade hat sich als wirksames Mittel zur Armutsbekämpfung und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung erwiesen.

Die EU-Kommission wird in Schmidts Bericht aufgefordert, eine Empfehlung an die Mitgliedsstaaten zur Förderung des Fairen Handels zu veröffentlichen. Dies könnte vor allem dann eine enorme Wirkung entfalten, wenn fair gehandelte Produkte bei öffentlichen Ausschreibungen bevorzugt werden würden. Um Missbrauch unter dem Label „Fair Trade“ zu vermeiden, benennt Frithjof Schmidt in seinem Bericht klare Kriterien, die Produkte aus dem Fairen Handel erfüllen müssen: Faire Preise und Löhne werden darin ebenso eingefordert, wie angemessene Produktionsbedingungen, Schutz der Umwelt und Achtung der Menschenrechte, vor allem der Frauen- und Kinderrechte. Außerdem verlangt der Bericht von der EU-Kommission, dass sie den Fairen Handel innerhalb der EU etwa durch Aktivitäten zur Bewusstseinsbildung und den Austausch bewährter Praktiken unterstützt. In den Entwicklungsländern solle sie unter anderem Maßnahmen zur Entwicklung neuer Fair-Trade-Produkte und zur technischen Unterstützung einleiten.

Wenn das Plenum des Europa-Parlaments – und davon ist auszugehen – im Juli dem Votum des Entwicklungsauschusses folgt und dem Fair-Trade-Bericht zustimmt, dann wäre das ein Erfolg für den Fairen Handel. Und ein wichtiger Schritt dafür, dass fair gehandelte Produkte auf dem europäischen Markt weiter an Bedeutung zulegen.

 

 

 

 

Weitere Infos zu Fußball und Fairem Handel

 

>> www.frithjof-schmidt.de – Infos zu Frithjof Schmidts Fair-Trade-Bericht

>> Webseite des Projekts Fair Play - Fair Life

>> Webseite von gepa rund um faire Bälle

>> Webseite von VENRO zur entwicklungspolitischen Dimension von Sport

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