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Eine bessere Nationalelf durch bessere Integration?!
Überlegungen zu Fußball und Integration

Natürlich darf man sich keinen Illussionen hingeben: Die Unruhen in den Banlieues im letzten Herbst haben auf erschreckende Weise die Defizite der französischen Integrationspolitik deutlich gemacht. Aber man kann dennoch festhalten: Der Stolz auf die Spieler nicht-französischer Herkunft wurde von der Mehrheitsgesellschaft der Grande Nation geteilt, sie wurden als Franzosen gesehen. Ähnlich ist es auch in anderen europäischen Ländern wie z.B. Großbritannien.

Situation bei der deutschen Nationalelf

Wie sieht es nun aber in Deutschland aus? Sicher: Auch wir haben etwa mit Klose, Podolski oder Asamoah Spieler im WM-Kader, die nicht in Deutschland geboren wurden. Aber gerade bei der größten Einwanderungsgruppe – Menschen türkischer Herkunft nämlich – besteht eine Leerstelle. Es spielt kein türkischstämmiger Spieler in der deutschen Nationalelf. Betrachtet man das letzte Spiel Deutschlands gegen die Türkei im Oktober 2005, mutet das leicht absurd an: Das türkische Team gewann überlegen mit 2:1 – die beiden Tore schossen mit Halil Altintop und Nuri Sahin zwei Spieler, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, hier das Fußball spielen gelernt haben und besser deutsch als türkisch sprechen.

Diese Situation ist auch das Resultat einer verfehlten Integrationspolitik – etwa der viel zu spät vorgenommenen Reform des Staatsbürgerschaftsrechts und der teilweise scheinheilig geführten und von Realitätsverweigerung geprägten Diskussion darüber, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist oder nicht. In Deutschland werden Menschen mit Migrationshintergrund auch heute noch zu wenig als Teil der Gesellschaft anerkannt. Selbst wenn sie in in zweiter oder dritter Generation hier leben, werden sie allzu oft als Ausländer betrachtet. Das zeigt sich auch beim Fußball: Spieler wie Halil Altintop, dieses Jahr Dritter in der Bundesliga-Torschützenliste, oder Yildiray Bastürk, Leistungsträger bei Hertha, wären in Großbritannien Briten und in Frankreich Franzosen – bei uns sind sie Türken geblieben.

Chance für die Integration

Keine Frage, es wäre ein Irrglaube zu denken, mit Fußball könne man die vorhandenen Integrationsprobleme lösen – das macht das Beispiel Frankreich allzu deutlich. Aber als Rollenmodell hat der Sport eine wichtige Funktion. Und deshalb würden sich erhebliche Chancen für beide Seiten ergeben, wenn sich mehr Spieler mit Migrationshintergrund (und das sind nicht nur türkischstämmige, man denke nur an Klasnic oder Salihamidzic) für Deutschland entscheiden würden. Mehr Nicht-Deutschstämmige als Nationalspieler – das wäre ein Identifikationsangebot an die Migranten: „Deutschland ist auch euer Land, ihr seid ein Teil dieser Gesellschaft.“ Ebenso wichtig wäre aber auch das Signal, das an die Mehrheitsgesellschaft ausgesendet würde: Wir Deutschen würden das sehen, was wir im Alltag allzu oft übersehen – nämlich was Menschen mit Migrationshintergrund für unser gemeinsames Land leisten. Und es würde auch nach außen deutlich machen, dass Deutschland sich tatsächlich zu dem weltoffenen Land entwickelt, als das es sich bei der WM unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ präsentiert.

…auf dem Weg zur Besserung?!

Schauen wir auf den DFB-Nachwuchs, besteht aber begründete Hoffnung, dass sich die Situation verbessert: Über ein halbes Dutzend Einwandererkinder spielen in der U-21-Nationalmannschaft – und das mit sportlichem Erfolg. Und wer weiß, vielleicht freut sich ja bei der WM 2010 ganz Deutschland darüber, dass uns Malik Fathi oder Nando Rafael zum Weltmeistertitel schießen.