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Konferenz-Doku: “Gegen häusliche Gewalt!“
Veranstaltung am 31. Mai in Brüssel
„Häusliche Gewalt ist noch immer ein Tabuthema. Deshalb ist es so wichtig, dass eine große Tageszeitung wie Hürriyet sich des Problems annimmt. So kann die Kampagne eine breite Multiplikationswirkung entfalten“, machte Heide Rühle zu Beginn der Veranstaltung deutlich.

Die Zahlen sind alarmierend: Weltweit wird jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Opfer von häuslicher Gewalt. In der Türkei kommt es in einer von vier Familien zu körperlicher, in jeder zweiten Familie zu verbaler Gewalt. Aus diesem Grund hat die türkische und die europäische Ausgabe der Tageszeitung Hürriyet im Oktober 2004 die Kampagne "Aile içi şiddete son!" ins Leben gerufen. Ziel der Kampagne: Sie will über das sensible Thema der innerfamiliären Gewalt und deren Folgen informieren und einen Beitrag dazu leisten, die häusliche Gewalt in der Türkei und der türkischstämmigen Community in anderen europäischen Ländern zu stoppen.

„Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen – das ist leider noch immer der übliche Umgang mit häuslicher Gewalt“, erklärte die Vorstandsvorsitzende von Hürriyet Vuslat Doğan Sabancı. „Deshalb wollen wir die Menschen mit unserer Kampagne für die Problematik sensibilisieren und das Thema stärker auf die gesellschaftliche Agenda setzen.“ Sabancı betonte aber auch, dass in den letzten Jahren durch die Reformen des Strafrechts in der Türkei eine konsequentere Verfolgung von häuslicher Gewalt ermöglicht wurde.

Einen Mentalitätswandel im Bezug auf innerfamiliäre Gewalt und die Stellung der Frau stellt auch die niederländische Europaabgeordnete Emine Bozkurt in der türkischen Politik fest – dennoch müsse dieser Frage noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ihre Kolleginnen Maria Carlshamre, Karin Resetarits und Feleknas Uca machten darüber hinaus deutlich, dass innerfamiliäre Gewalt keineswegs ein spezfisch türkisches Problem sei: „Häusliche Gewalt gibt es überall, über alle Schichten und Berufsgruppen hinweg.“

Michael Stormann, Vertreter der österreichischen Ratspräsidentschaft, stellte das neue österreichische Familienrecht vor, das gerade im Umgang mit häuslicher Gewalt als vorbildlich gilt. Ein Kernpunkt des neuen Gesetzes: Der Gewalttäter muss das Haus verlassen und nicht – wie es leider allzu oft die Regel ist – das Opfer häuslicher Gewalt. Stormann machte aber zugleich deutlich: „Auch die besten Gesetze reichen nicht aus, deshallb ist öffentliche  Bewußtseinschaffung unverzichtbar.“

Die EU-Fördermaßnahmen zur Bekämpfung häuslicher Gewalt erläuterte Patrick Trouson von der Europäischen Kommission. Hierbei komme vor allem dem Daphne-Programm eine Schlüsselrolle zu, mit dem insbesondere Projekte zur Prävention von Gewalt gegen Frauen unterstützt werden. Ein wichtiges Signal sei dabei, dass ab 2007 die Finanzaustattung von Daphne um 50 Prozent erhöht wird.

Eine positive Zwischenbilanz ihrer Informationskampagne zog Hürriyet-Kommunikationschef Temuçin Tüzecan: „Wir haben mit unserer Initiative gegen häusliche Gewalt ein Pflänzlein gepflanzt, das am Wachsen ist. Diesen Weg müssen wir weiter gehen.“


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Programm der Veranstaltung

>> Deutschsprachige Hürriyet-Website zur Kampagne "Gegen häusliche Gewalt"