Impressum Suche Kontakt  
 
Rote Karte für Frauenhandel und Zwangsprostitution
Anstieg von sexueller Ausbeutung bei Fußball-WM

Das Problem ist bekannt: Internationale Großereignisse wie Sportveranstaltungen oder Messen bringen eine erhöhte Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen mit sich – und führen damit auch zu einem sprunghaften Anstieg der Zwangsprostitution. Nach Angaben von Nichtregierungsorganistionen sollen zur Fußball-WM bis zu 40.000 Frauen und Mädchen vor allem aus Osteuropa nach Deutschland verbracht worden sein. Häufig durch falsche Versprechungen nach Deutschland gelockt, werden sie hier während der Weltmeisterschaft zur Prostitution gezwungen. Ein lukratives Geschäft für die Hintermänner dieser organisierten Kriminalität. Angesicht der Tragweite des Problems forderte der schwedische Beauftragte für Gleichberechtigung gar einen Boykott der Weltmeisterschaft: Die schwedische Nationalmannschaft solle aus Protest gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung nicht an dem Turnier teilnehmen.

Europäisches Parlament: Gegen Zwangsprostitution bei WM

Ein klares Signal gegen Zwangsprostitution im Rahmen großer Sportveranstaltungen hat das Europäische Parlament in einer Entschließung im März 2006 ausgesandt. Menschenhandel mit dem Ziel sexueller Ausbeutung sei eine der „schlimmsten Menschenrechtsverletzungen“ betont die Resolution, die auf Initiative der Grünen im Europa-Parlament entstanden ist. Der Kampf gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel müsse stärker auf die Tagesordnung gesetzt werden. Zu diesem Zweck forderte die Volksvertretung die EU-Kommission und die nationalen Regierungen zu einer europaweiten Aufklärungskampagne auf, „die darauf abzielt, die breite Öffentlichkeit, vor allem die Sportler, die Fans und die Anhänger über die Problematik und die Tragweite der Zwangsprostitution und des Menschenhandels zu informieren und entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten“. Ein wichtiges Ziel dabei: Potentielle Freier sollen für die gravierenden Folgen von Zwangsprostitution sensibilisiert und so die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen reduziert werden. Außerdem sollen Deutschland und die übrigen EU-Staaten mehrsprachige Telefonhilfsdienste einrichten, die verschleppte Frauen mit Informationen etwa über sichere Unterkünfte oder Rechtshilfe versorgen. Weiter fordern die Abgeordneten eine „Präventionskampagne“, die sich an die potentiellen Opfer richtet, um sie über Risiken und Gefahren sowie ihre Rechte und Anlaufstellen in den Bestimmungsländern zu informieren.

Zuvor hatte der Frauenausschuss des Europäischen Parlaments anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März 2006 zu einer Konferenz eingeladen, um Strategien zur Bekämpfung von Zwangsprostitution bei großen internationalen Sportereignissen zu diskutieren. Dabei bestand Einigkeit darüber, dass dem schmutzigen Geschäft mit der Not der Frauen die rote Karte gezeigt werden müsse.

„Abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution“

Ausdrücklich begrüßt hat das Europa-Parlament in seiner Entschließung die Aktion „Abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution“, eine gemeinsame Kampagne des Deutschen Frauenrats und des Deutschen Fußball-Bunds. Die Initiative will die Fußballweltmeisterschaft nutzen, um mit zahlreichen Aktivitäten und Veranstaltungen über Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung zu informieren.

Problem ohne Grenzen

Aber Menschenhandel und Zwangsprostitution sind natürlich nicht nur ein auf die Weltmeisterschaft begrenztes Problem. Das Geschäft mit der Ware Frau boomt. Menschenhandel entwickelt sich weltweit zu einem ähnlich einträglichen Geschäft wie der Drogenhandel. Die Zahlen sind erschreckend: In Europa werden jedes Jahr etwa 100.000 Frauen Opfer von Menschenhandel. Weltweit sind es Schätzungen zu Folge 600.000 bis 800.000.

Das Europäische Parlament hat deshalb das Problem seit Jahren auf seiner Agenda und organisiert Kampagnen zur Verhinderung von Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Resolution vom Januar 2006 über Strategien zur Verhinderung des Handels mit Frauen und Kindern, die durch sexuelle Ausbeutung gefährdet sind.

 

 

 

 

Weitere Infos zu Frauenhandel, Zwangsprostitution, Fußball-WM und EU-Politik

 

>> Entschließung des Europäischen Parlaments zur Zwangsprostitution im Rahmen internationaler Sportereignisse

>> Bericht zur EP-Konferenz „Zwangsprostitution im Rahmen internationaler Sportereignisse“

>> Überblick über EU-Gesetze und Maßnahmen zur Bekämpfung von Menschenhandel auf der Websseite der EU-Kommission

>> Handbuch zur Kampagne „Abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution“

>> Aktionen von „Solwodi: Solidarität mit Frauen in Not“ zur Fußball-WM

>> „KOK e.V.: Arbeitskreis gegen Menschenhandel“

Artikel versenden




 
Zum Datenschutz: Ihre E-Mail und die E-Mail des Empfängers werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. um im Fall eines Übertragungsfehlers eine Benachrichtigung zu übermitteln.